Hollyford Track II

Heute geht es nicht nur zu Fuss weiter. Der Tag ist unterteilt in einen kleinen Ausflug am Morgen, eine Fahrt im JetBoot ans Ende des McKerrow Lake und einer Wanderung zu den Seehunden am noerdlichen Ende von Martins Bay und zurueck zur zweiten Lodge. Waehrend es in der Nacht noch furchtbar geschuettet hat, ist es heute morgen relativ trocken und es zeigen sich einige Loecher mit blauem Himmel zwischen den weissen Wolkenfetzen. Endlich koennen wir einmal ansatzweise das bewundern, was immer auf Neuseelandbildern zu sehen ist. Gruener Urwald und Fluesse unten und frisch eingepuderte Bergspitzen darueber. Ein toller Anblick!

Nach einem fruehen, aber sehr reichlichen Fruehstueck gegen 07:00h machen wir uns auf den Weg zum Lake Alabaster oestlich der Huette. Der Abstecher fuehrt noch einmal durch dichten Regenwald und das Schwemmholz auf dem Boden laesst uns ahnen, wie weit der See bei wirklich hohem Wasser in den Wald eindringen kann. Zum Glueck gluckst er aktuell noch ein paar Meter seitlich des Tracks, so dass wir nicht gleich heute morgen nasse Fuesse bekommen. Die frei zugaengliche Huette am See sieht innen sehr aufgeraeumt und gepflegt aus. Wer mehr Zeit mitbringt und sich die Tour ohne Guide erlaufen moechte, kann in den Huetten des Department of Conservation fuer NZD 17 pro Nacht uebernachten. Betten sind vorhanden, Schlafsaecke und Essen mitzubringen.

Nach dem kleinen Ausflug geht’s dann zum ersten Mal auf das Boot. Mit gut 60km/h zischen wir dann flussabwaerts und auf den See hinaus. Ein kurzer Stop am Nordufer des Sees praesentiert uns ein tragisches Kuriosum aus der Zeit der Besiedlung namens Jamestown (in diesem Fall 1870). Ein Erkundungstrupp hatte die Regenwaldgegend um den See und insbesondere besagte Bucht als idealen Platz fuer eine “Hauptstadt der Westkueste” auserkoren. Eine Handvoll Familien wurden daraufhin mit grossen Versprechungen auf eigenes Land und eine grossartige Zukunft dort abgesetzt. Leider fanden sie nur den Regenwald vor, mussten sich das Land so gut wie moeglich selbst urbar machen und waren von der Aussenwelt praktisch abgeschnitten. Dieser Zustand sollte sich auf nicht so bald wieder aendern, denn das Strassenbauvorhaben in diesen Landstrich (begonnen von der anderen Seite) wurde schon bald beerdigt und die Einfahrt in den See vom Meer aus war so schwierig, dass sich nur alle paar Monate ein Schiff blicken liess. Die Siedler erfuhren nie, dass die Strasse nicht kommen wuerde und rd. 12 Jahre(!) spaeter war die Ansiedlung wieder praktisch verlassen. Heute liegen auf einer kleinen Lichtung nur noch die verfaulenden Reste zweier Apfelbaeume und ein Gedenkstein erinnert an die ehemalige Siedlung. Immerhin zeigte unser GPS noch heute die ordentlich erfassten und angedachten Strassen inkl. ihrer Namen. Es ist deutlich zu erkennen, dass dort einmal eine Groesseres geplant war.

Nach dem leicht bedrueckenden Abstecher geht es am Westende des Sees zu Fuss weiter. Der Wald ist hier deutlich niedriger, aber nicht minder beeindruckend. Mittlerweile hat der Regen auch wieder die Staerke der vergangenen Nacht angenommen und die Wasserstaende der Baeche und kleinen Fluesse reagieren auf die Niederschlaege. Unser Weg ist fuer eine Weile ein ansehnliches Bachbett – oder umgekehrt. Ein Stueck weiter hat sich leider ein langgezogenes Geroellfeld in einen breiten und gut knietiefen Gebirgsbach verwandelt. Unser Guide prueft kurz 2 unterschiedliche Stellen und schon geht’s mit der ganzen Truppe durch den Bach. Spaetestens jetzt hat garantiert jeder komplett nasse Fuesse und muss keine Angst mehr vor den staendig groesser werdenden Lachen und Baechen auf dem Weg mehr haben :)

Puenktlich mit Erreichen der Kueste klart der Himmel dann wieder auf. Blauer Himmel und weisse Fotowoelkchen bei dunkelgruenem Meer. Sehr schoen und wir trocknen wandernd langsam vor uns hin. Die Seehunde am Ende der Bucht liegen faul und traege in der Sonne auf den Steinen. Zu bestaunen – wenn auch zu weit weg fuer mein kleines Tele – sind die frischen Jungtiere mit ihren Muettern und die rd. 1 Jahr alten Jungen aus dem letzten Jahr.

Auf der letzten Etappe des Tages geht es zum einem kleinen natuerlichen Bootsanleger und dann mit dem JetBoot zu unserer naechsten Lodge. Noch ein bisschen groesser als die Erste und genauso schoen liege diese direkt am Ausfluss des McKerrow Lake ins Meer. Fantastisches Abendessen, Briefing fuer den morgigen Tag, ein paar Tee, Klamotten in den Trockenraum und ab ins Bett. War sauschoen aber auch ein bisschen anstregend heute.

Ein paar Eindruecke des Tages:

Und die Strecke dazu:

Elevation Profile

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