Unsere Tour startet um 10 Uhr und – man wuerde es ja gar nicht vermuten – wir werden “zu Hause” abgeholt. Endlich mal schlafen bis halb neun und ab zum Fruehstueck. Es ist an diesem Morgen schon so warm, dass wir die ersten Gaeste in der Saison sind, die auf der schoenen Veranda fruehstuecken. Wie es sich fuer Schweizer gehoert gibt’s auch Bircher Muesli. Fuer mich ein Traum, fuer Gatzi ein Kindheitstrauma – bleibt mehr fuer mich
“Vielleicht noch Eier? Scrambled, boiled, porched, fried – with bacon and/or tomatoes? Any Pancakes?” Puuh, so viele Auswahlmoeglichkeiten kennt man eher von Starbucks. Heute mal kein Ei fuer meine Frau und fuer mich ganz normales Ruehrei.
Um zehn haelt dann ein kleiner Van vor der Tuer. Der ca. 65 jaehrige Fahrer ist Peter, unser Guide, und wir die einzigen Gaeste heute. Das heisst, wir haben eine 1-tages Privattour durch die Marlborough-Gegend gebucht. Das geht sicher schlechter – wir machen uns auf den Weg. Wie sich herausstellt, war Peter in der 6. Generation Tomatenfarmer und in der 3. Generation in diesem Beruf in Blenheim taetig. Anders ausgedrueckt: er kennt hier alles und jeden. Aus dem Grund kommen wir wohl dann auf unseren Wegen durch die Weinreben an so vielen “No access – keep out” Schildern vorbei. Auf einem privaten Huegel, den ein Freund von ihm gerade “fuer ein paar Millionen” an einen ruhesuchenden Haeuslebauer verkaufen will, erklaert er uns die Gegend. Das Weinanbaugebiet wurde insbesondere in 2008 noch einmal kraeftig ausgeweitet und man sieht tatsaechlich von der einen Seite der Ebene bis zur anderen nur Reben. Leider waren die letzten Jahre fuer Winzer in Neuseeland nicht so der Hit, man kaempft mit ohnehin vorhandenen Ueberkapazitaeten, die durch die allgemeine Wirtschaftskrise nicht gerade kleiner geworden sind. Insgesamt sollte es am Ende des Tages auf uns wirken, als haette ein ganzes Tal eine riesige Wette abgeschlossen, dass man auch in x Jahren noch gerne Sauvignon Blanc trinken wird.
Unser Guide ist bei all seinen Ausfuehrungen angenehm kritisch und erspart uns jegliches Marketing-Gerede. Im Gegensatz zu den deutschen Anbaugebieten wird der Sauvignon in grossen Feldern angebaut und es geht hier ganz eindeutig um Massenproduktion, die moeglichst mit grossen Maschinen und geringem Personaleinsatz geleistet werden kann. Schliesslich, so die einleuchtende Schlussfolgerung von Peter, koennten nicht auf der ganzen Welt in den Supermaerkten Weine aus genau dieser Region stehen. Wir bekommen noch die Gelegenheit, einmal durch eine Erntemaschine hindurchzulaufen und lassen uns die Technik der des automatisierten Pflueckens, Beeren von den Stielen entfernen und einlagern erklaeren. Das riesige Gefaehrt spuckt die nicht zu verwendenden Stoeckchen und Stiele wieder aus und belaesst sie im Weinberg. Die Beeren und der schon austretende Saft kommt in grosse Tanks am Auto und wird, wenn ca. 2t zusammengesammelt wurden, in einen am Ende der Rebenreihe stehenden Anhaenger. Der traegt dann bis zu 9t Trauben und wird auf LKWs umgeladen, die bis zu 30t Trauben zu den grossen zentralen Schuetten transportieren. Alles sehr spannend, aber mit recht wenig Weinromantik.
Diese finden wir dann in einer sehr besonderen Auspraegung auf einem der zentral gelegenen Gueter. Der Regisseur und Filmemacher Michael Seressin hat sich vor einigen Jahren ein eigenes Weingut zugelegt und baut hier Wein nach einer sehr urspruenglichen Methode an. Bio-Wein waere noch zu wenig gesagt, denn bei dem Gut handelt es sich um eine Weinproduktion, die sich nach den Lehren Rudolf Steiners ausrichtet und auf die voellige Einheit von Mensch und Natur bedacht ist. Geerntet und gepresst wird nach dem Mondkalender und zur Schaedlingsbekaempfung werden Rinder-Hoerner mit unterschiedlichen Fuellungen in der Erde vergraben. Alles hat einen leicht religioesen Touch, der Wein in der Verkostung dann aber ganz lecker
Zum Mittagessen geht’s auf ein anderes Weingut und im Anschluss noch zu zwei weiteren kleinen Verkostungen. Interessant ist, dass praktisch das ganze Tal mittlerweile grossen Getraenke- oder Luxuskonzernen gehoert. Die unterschiedlichen Marken auf dem Marlborough sind daher haeufig lediglich eine Mehrmarkenstrategie eines grossen Konzerns. Warum fast kein Einheimischer mehr involviert ist? Peter nennt mal ein Beispiel. Farmland kostete hier frueher an den besten Stellen 20.000 NZD pro Hektar – heute kostet eine mittelmaessige Parzelle gleicher Groesse rd. 280.000 NZD. Die meisten wurden also schwach und haben verkauft.
Gegen 17h sind wir wieder am B&B, sind noch satt von unserer Vesperplatte am Mittag und machen uns auf den Weg, den Mietwagen zu tanken, der morgen zurueck an Avis geht. Der Sonnenuntergang changiert heute abend zwischen rosa, lila, orange und rot und zeichnet die typische Bergformation von den Weinetiketten deutlich an den Horizont. Leider sind die potentiellen Fotoplaetze fuer dieses Spektakel alle nicht oeffentlich zugaenglich, deswegen gibt’s davon nur ein mittelmaessiges Bild.
(Bilder spaeter, wir sind fuer 2 Naechte im Internet-Nirvana…)
Bilder:
Und unsere Weintour:



