Kayak / Museum / Bier aus Kaufbeuren

Erwaehnte ich es schon? Hier ist mittlerweile sommerlich. Gegenueber den gemaessigten Temperaturen zu Beginn der Reise merken wir hier auf der Nordinsel den Fruehsommer deutlicher. Beispielsweise ist heute mal wieder ein Regentag, als wir nach dem Aufstehen aus dem Fenster schauen – macht aber nix, denn es regnet schoen warm. Wir packen die Badesachen ein, schnappen uns 2 kleine 1-Mann Kayaks und machen uns ans paddeln. Unter uns gluckst der beinahe spiegelglatte See, darueber leichte Nebelbaenke und ein wenig Spruehregen von oben. Ausser uns sind auf dem Lake Rotoiti noch eine Handvoll Wasserski-Fruehaufsteher unterwegs.

Unser erster Halt direkt um die Ecke: der “Hot Water Beach” ist ein kleiner, vielleicht 100m langer Sandtreifen, bei dem der Sand schoen warm ist und damit jedes gebuddelte Becken zur Badewanne wird. Leider finden zahlreiche Voegel wohl auch Gefallen an einem warmen Bauch, so dass der Strand uebersaeht ist mit ihren Hinterlassenschaften. Gesehen – weiter geht’s zu den versprochenen heissen Quellen. Auf dem Weg paddeln wir durch eine beachtliche Gruppe schwarzer Schwaene, die langsam und geraeuschlos eine Gasse fuer uns oeffnen.

Die Pools sind nur ueber das Wasser zu erreichen und trotzdem bei Ankunft gut gefuellt. Es scheint, man faehrt hier morgen ein bischen Wasserski und laesst sich dann in den warmen Quellen wieder aufheizen. Es gibt hier 5 unterschiedliche Betonbecken, die meisten sind miteinander verbunden, so dass das Wasser in Kaskaden in den See laeuft. Uns Ahnungslosen wird geraten, erst einmal ganz nah am See anzufangen und uns in die anderen Becken hochzuarbeiten. Je hoeher, desto naeher an der Quelle, desto heisser. Wie heiss? Wenn er es wirklich darauf anlegt und das Wasser permanent ins obere Becken laufen laesst, wird der Pool 55° C warm. Definitiv zu warm fuer ein gemuetliches Bad. Wir arbeiten uns in 1,5h bis Nr. 3 vor und machen uns dann wieder auf den Weg. Unser Gastgeber hatte noch zwei weitere Punkte auf der Seekarte markiert, die “geothermal” sind.

Am ersten Spot blubbert einfach kochendes Wasser am Rand des Sees aus einer Felsspalte. Keine Bademoeglichkeit, aber lustig, mit den Kayaks darueber zu schweben. Beeindruckend ist der Feigenbaum, der hier den halben Huegel einnimmt und sich offensichtlich in der Dauerwaerme der heissen Quellen pudelwohl fuehlt. (siehe Bild Gatzi vor Riesenfeige) Der letzte der markierten Spots ist super. Ein kleiner Bach fliesst in einem Bett aus hellem, sauberem Sand in den See und das Bachbett ist warm bis heiss – so auch das Wasser. Wir buddeln uns unsere eigenen kleinen Wannen und liegen noch einmal eine gute halbe Stunde in den natuerlich Badewannen.

Zurueck auf’s Zimmer, Sand entfernen und ab ins Dorf. Nach dem obligatorischen Nachmittagskaffe geht’s fuer uns in das oertliche Museum, dessen Haus an sich schon sehenswert ist. Bei einem gewaltigen Vulkanausbruch 1886 ist der Gegend die Hauptattraktion abhanden gekommen (weisse und rosa Kalktreppen mit Pools ueber einen ganzen Berghang) und die Englaender beschlossen, ein traditionelles Badehaus wuerde einen adaequaten Ersatz darstellen, um fruehe Touristen ans andere Ende der Welt zu locken. Es sollte niemals so richtig funktionieren. Die Besucher blieben aus, die Rohre korrodierten wegen des Schwefels und das Holz rottete wegen der Daempfe. Geblieben ist ein huebsches Haus in einem sehr englischen Garten, in dem nun die Geschichte des Ortes und der Umgegend erklaert wird. Zugegeben unser einziger Musuemsbesuch in diesem Urlaub, lernen wir doch einiges ueber die fruehe Besiedlung durch die Europaer und ihr Verhaeltnis zu den Maori.

Wir bleiben bis 17:50h im Museum und als wir es verlassen faellt uns auf: da war doch ein Schild “geoeffnet bis 18h” an unserem Parkhaus. Auf FlipFlops rennen wir durch die Stadt und fahren 17:58h aus dem Parkhaus. “Ihr seid garantiert die letzten fuer heute” kommt von der Schrankenwaerterin, die schon dabei ist, die Tageseinnahmen zu zaehlen. Obwohl der Ort einiges an Gastronomie zu bieten hat, folgen wir dem Tipp unseres Hosts und fahren ein Stueck um den See herum. Hier betreibt jemand einen kleinen Laden mit heisser Theke – wir entscheiden uns fuer eine Lasagne und setzen uns in den ausgewiesenen “Biergarten” in die Abendsonne. Auffaellig: der Ort hat einen leicht bayrischen Einschlag und die Preistafeln kommen laut Aufdruck von der “Aktienbrauerei Kaufbeuren”. Beim Bezahlen fragen wir nach und siehe da, der Chef ist aus besagtem Ort und importiert auch alle Biersorten der Brauerei. Wahrscheinlich der am weitesten entfernte Kunde der kleinen Brauerei :)

Fuer uns geht’s morgen mal wieder weiter gen Norden. Die Halbinsel Coromandel erwartet uns mit unserem letzten B&B. Lange haben wir den Gedanken verdraengt, aber das Ende unseres Urlaubs kommt mit grossen Schritten naeher. Uebermorgen abend ist Silvester und am 05. geht es schon zurueck. Nach dem B&B auf der Halbinsel haben wir noch 4 Naechte zur freien Verfuegung, bevor wir die letzte Nacht in Auckland verbringen, um morgens das Auto abzugeben und gegen mittag gen Singapur aufzubrechen. Unsere letzten Tage in NZ wollen wir nutzen, um uns den hohen Norden der Insel anzuschauen. Unsere geplante Route fuehrt deswegen ueber die Ostkueste (Pazifik) ueber die Nordspitze an die Westkueste (Tasmanische See) zurueck nach Auckland. Mal sehen, wo genau wir landen.

Noch 2 Bilder, der Rest ist im “kein Internet” Posting.

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