Far North. So heisst das noerdlichste District der Nordinsel und bis dahin wollen wir heute kommen. Der Weg fuehrt uns mitten durch Auckland, das sich aufgrund seiner Lage und Groesse von der West- bis an die Ostkueste des Landes erstreckt. Frueh aufstehen, schnell einen Happen fruehstuecken und ab geht’s. Heute ist der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres und fuer die Kiwis die Haupt-Reisezeit ihrer Sommerferien. Entsprechend stehen wir uns an der ein- oder anderen Stelle durch einen Engpass, aber im Grossen und Ganzen kommen wir gut voran. Auckland ist tatsaechlich gross – zum Glueck gross genug, als dass eine richtige Autobahn mitten hindurch fuehrt. Keine Staus, nur viel Verkehr, der mit gleichmaessig 100 km/h dahinfliesst.
Unser Ziel heute ist ein kleiner Campingplatz an der Pazifikkueste. Campen ist die beliebteste Art der Kiwis, ihre Ferien zu verbringen, und wir ahnen schon, dass es voll werden koennte. Auf der Schotterstrasse zur Kueste erleben wir eine erste Ueberraschung. 10 Polizeiwagen, eine ganze Kolonne von Polizisten am Strassenrand und Markus in der ersten Alkoholkontrolle seines Lebens. Der Bereich ab der Kontrolle bis zur Kueste ist zur alkoholfreien Zone deklariert worden. Jeglicher Konsum ausserhalb von privaten Grundstuecken ist verboten. Wir haben nur 1 Flasche Wein dabei, der Test sagt “no alcohol” und insgesamt wirken wir wohl ziemlich harmlos. Man ist amuesiert, dass wir jetzt noch einen Platz auf dem Campingplatz finden wollen und wuenscht uns viel Glueck.
15km weiter dann der Platz selbst. Direkt am Wasser, nicht allzu gross und.. voll! Der Eingang ist geradezu verrammelt mit einer Kette vor der Einfahrt, den geschlossenen Schranken dahinter und dem quergelegten Baumstamm vor der Ausfahrt. Auto auf dem Seitenstreifen geparkt, huschen wir unter der Kette hindurch und werden unmittelbar angesprochen: was wir hier wollen und ob wir hier einen Platz haetten. Nein, haben wir noch nicht, haetten wir aber gerne. Keine Chance! Auch nicht fuer nur 1 Nacht und fuer ein ganz kleines Zelt? Hmmm, dann vielleicht schon, einfach mal mitkommen. Tatsaechlich ist neben den Waschhaeuschen noch ein Platz frei, auf den unser kleines Zelt sammt Auto passen koennte. Der Boden ist eben und trocken und wir schlagen zu. Allzuviel Alternativen scheint es nicht mehr zu geben.
Zelt aufbauen, Schlafsaecke und Isomatten rein und dann erst mal an den Strand. Der Platz liegt an seiner ganz privaten Sandbucht, umgeben von bewaldeten Huegeln. Das Meer wirkt eher wie ein See, es schlagen kaum Wellen am Strand an, so glatt ist es. Wir verbringen den restlichen Nachmittag (mal wieder) faul am Strand und freunden uns langsam mit dem Gedanken an, dass morgen schon 2010 sein wird. Unser Menu fuer heute abend sieht Reispfanne mit Hackfleisch und Paprika vor. Dazu einen Rotwein, der die Fahrt aus dem Marlborough hoffentlich gut weggesteckt hat (Dog Point Pinot Noir, 2007). Die Kiwis um uns herum sind alle deutlich professionellere Camper mit Solarduschen und selbigem Strom und als wir vom Strand zurueckkommen, haengen hier und da schon Lichterketten an den Zelten.
Wir lassen uns gegen 8 unser Essen im Schneidersitz auf dem Rasen schmecken. Der Wein ist lecker, muss aber leider mit Platikbechern vorlieb nehmen. Wir haben keine Glaeser dabei. Um diese Zeit ist der Wind endgueltig eingeschlafen, der Himmel ist wolkenlos und an einem apricot zu lila verlaufenden Abendhimmel geht ueber einer vorgelagerten Insel ein riesiger Vollmond auf. Das ist schon eher kitschig denn schoen, passt aber ins Konzept. Wenn wir schonmal ueber den Jahreswechsel im Sommer sind, hatten wir uns einen Abend am Strand vorgestellt. Genau das machen wir dann auch und verbringen Mitternacht auf den Felsen sitzend und schauen auf einen mondbeschienenen Pazifik hinaus.
Euch allen ein frohes Neues Jahr!


