Gletscher!

Bevor ich ein paar Zeilen zum heutigen Tag schreibe noch ein Nachtrag zu gestern: es heißt doch immer, in Norwegen sei Strom mittlerweile genauso kostbar und knapp wie andernorts. Bei einem nächtlichen Besuch im Badhaus kamen mir doch Zweifel an dieser Behauptung. Das kleine Dorf im Fjord hat für seine Jugend einen ordentlichen Fussballplatz mit mehreren Feldern angelegt. Soweit, so gut. Jedoch wird der Platz die ganze Nacht mit Flutlicht beleuchtet – wahrscheinlich jede Nacht! So schlimm kann es um die Energiekosten wohl nicht stehen. Bilder dazu in der Galerie.

Der heutige Tag hat eigentlich nach einem Frühstück in der Morgensonne am Fjord nur einen Programmpunkt: Gletscher gucken. Vorher aber geniessen wir umwerfend gute Brötchen von einem Bäcker in Luster. Völlig unerwartet haben wir gestern Abend einen Laden gefunden, der richtig ordentlich nach Bäcker aussieht und auch noch “die mit dem guten Geschmack” im Slogan trägt. Die Brötchen sind aus Sauerteig und wir genießen nach dem weichen Einheitsbrot die gelungene Abwechslung.

Anders als 2003 wollen wir diesmal nicht auf’s Eis, sondern nur an die untere Spitze des Nigardsbreen. Während der Parkplatz in der Hauptsaison komplett überfüllt ist, teilen wir uns die Asphaltfläche heute mit vielleicht 10 anderen Autos. Der Fussweg zum Gletscher führt durch gelb-grüne Birkenhaine und wir geniessen einen weiteren sonnigen, völlig wolkenlosen Tag. Trotz intensivem Überlegen können wir nicht sagen, ob der untere Rand des Glatschers nun zu- oder abgenommen hat, seit wir vor 7 Jahren an der selben Stelle standen. Wir gucken zu Hause mal alte Fotos dazu an…

Während wir respektvollen Abstand zur Eiskante halten kommt plötzlich ein lustiges Grüppchen Leute vorbei, schlüpft unter der Absperrung in Richtung Gletscher durch und trotz des eisigen Winds steht Madame plötzlich im Bikini vor dem blauen Eis. Zurück am Parkplatz werden wir sehen, dass es sich um eine Gruppe Russen handelt – interessante Art Urlaubfotografie. (Ja, es gibt ein Bild – siehe Galerie)

Während Nigardsbreen so ziemlich zum Standardprogramm einen jeden Norwegen-Reisenden gehört wollen wir morgen noch einen Blick auf den Austerdalsbreen werfen. Unser Mitreisender Stefan war dort schon einmal kurz vor dem (Wander-)ziel von einer zuvor abgegangenen Lawine gestoppt worden; diesmal soll die kleine Wanderung klappen. Damit wir auf unsere letzten Tage in Norwegen nicht zu viel Zeit verlieren, fahren wir noch heute bis zum Startpunkt des Weges und ich tippe meine Zeilen auf einer Anhöhe am Ende eines leeren Tals, in das von den Berspitzen rundherum Gletscherzungen herunterblicken. In der völligen Abgeschiedenheit wird es gleich absolut dunkel sein und wir werden einen Blick auf die Milchstrasse haben.

Elevation Profile

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