Norwegen für Anfänger (2003)

Ich habe beim Stöbern durch unsere diversen Dateien heute Christiane’s Bericht gefunden, den sie urspünglich mal für unsere “Wohnen in Oslo”-Seite (www.yawron.de) geschrieben hat. Die Seite ist schon längst nicht mehr in Benutzung und der Text + Bilder passt besser hierher.

+++ Start Reisebericht vom August 2003 +++

(08.03 / Christiane) Norwegen für Anfänger, der Bericht

Ende Juni sind wir in Oslo gestartet, mit zwei großen Rucksäcken und Campingausrüstung fuhren wir Richtung Norden. Unser erster Stopp, aber nur für eine sehr kurze Pause, war Lillehammer. Nach gut fünf Stunden Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel, Otta am Rande des Rondane Nationalparks. Bedingt durch das schlechte Wetter, nur Regen und ca.12°C, entschieden wir uns in einer Hütte vom norwegischen Wanderverein zu übernachten, Mysusæter, und nicht unser Zelt aufzubauen.

Am darauffolgenden Morgen begannen wir unsere Tour zur Rondvassby Hütte, dort checkten wir ein, denn wir wollten unsere Bergtour nicht mit unseren großen Rucksäcken machen. Wir machten uns trotz gemischtem Wetter mit einem kleinen Rucksack auf den Weg zum Gipfel vom Storronden (2138m). Der Weg führte uns anfangs über schmale Schotterwege uebers Geröll, später suchten wir uns unseren Weg über große Felsblöcke immer auf der Suche nach dem „roten T“. Damit sind nämlich hier die meisten Wanderwege gekennzeichnet, aber das immer ziemlich gut. Etwa ein halbe Stunde vor dem Gipfel fing es an zu regnen. Eine viertel Stunde später entschieden wir uns für den Abstieg. Der Rückweg war recht mühsam. Durch die feuchten Felsbrocken, die alle mit Moos bedeckt waren, wurde es alles ziemlich glitschig.

Am nächsten Tag entschieden wir uns weiterzufahren. Nach dem Frühstück gingen wir zurück zum Auto und fuhren Richtung Trondheim. Trondheim selbst haben wir uns nicht angeschaut, wir sind kurz davor Richtung Westen an die Küste gefahren. Dort suchten wir uns einen Campingplatz, das Wetter war hier nämlich wirklich viel schöner. Je weiter wir Richtung Küste fuhren, desto besser wurde das Wetter.

Wir hatten einen Platz direkt am Fjord, wunderschön ruhig gelegen, ein wenig außerhalb vom eigentlichen Ort. Der Blick ging nach rechts am Fjordende hin zum Örtchen und nach links den gesamten Fjord entlang. Traumhaft. Ich habe an diesem Abend bis 2 nachts gelesen, ohne Taschenlampe, und nicht wirklich mitbekommen, wie die Zeit verrann. Es ist schon komisch, wenn um halb elf die Sonne noch am Himmel steht und es die ganze Nacht nicht dunkel wird.

Unser nächstes Ziel war Kristiansund. Der Weg dorthin war ein Traum. Die meiste Zeit führte die Straße am Viniefjorden entlang, eng und kurvenreich, vorbei an wunderschönen Landschaften. An manchen Stellen hatte man das Gefühl man würde durchs Allgäu fahren, dann ging es wieder um eine Kurve und man hatte einen atemberaubenden Blick auf den Fjord mit tollen steilen Bergen und schroffem Fels. Hier schien keine Bucht und kein Tal dem anderen zu gleichen, und dann diese endlosen Weiten. Alles ist hier viel weniger besiedelt und damit nicht so überfüllt. Wir fuhren weiter am Aresvikfjorden nach Halsamaustan und nahmen dort die Fähre nach Kanestraum. Vorbei an der größten Autohängebrücke Norwegens fuhren wir nach Kristiansund rein. In direkter Stadtnähe liegt ein recht hübscher Campingplatz auf dem wir unser Zelt aufstellten. Abends sind wir noch mal nach Kristiansund reingefahren. Besonders hübsch fanden wir das Ständchen beide nicht. Von einem Aussichtspunkt aus hat man einen schönen Rundblick über Kristiansund, von dort aus machten wir ein paar Bilder. Von unserem Zeltplatz aus hatten wir Blick aufs Meer, es war 23:10 als ich auf die Uhr schaute, die Sonne war immer noch eine Weile vom Horizont entfernt und es war noch taghell.

Die Werft in Kristiansund ist wirklich ganz sehenswert, das war auch das einzige, was wir uns dort angeschaut haben. Anschließend fuhren wir weiter an der Küste entlang. Von Freunden hatten wir einen kleinen Campingplatz in Lillesandøy empfohlen bekommen, den wir unbedingt ausprobieren wollten. Wir erreichen die kleine Halbinsel am frühen Nachmittag. Bei starkem Wind bauen wir unser Zelt auf einem kleinen Hügel auf. Der Blick von hier oben ist traumhaft.. Nach links sehen wir die Atlantikstrasse, geradeaus aufs offene Meer und nach rechts erkennt man noch Kristiansund. Einfach wunderschön. Am nächsten morgen erwachen wir im absoluten Nebel. Wir erkennen kaum die Häuser von Lillesandøy. Heute ist unsere erste Station eine Tour zu einer Höhle. Wir packten unsere Krempel wieder zusammen und fuhren weiter an der Küste, Richtung Süden.

Unsere Wanderung führt uns zur Trollkyrkja Grotte. Der Aufstieg war sehr anstrengend. Aber oben wurden wir dann belohnt. Der kühle Wind aus der Höhle war eine richtig Erleichterung und gute Abkühlung. Sehenswert in der Höhle ist der eingeschlossene Wasserfall der direkt neben einem in eine Art Dom einfällt. Immerhin waren wir mit kleinen Taschenlampen ausgestattet, denn Beleuchtung gab es in der Höhle keine. Auch sonst war die Höhle völlig ungesichert. Man musste wohl einfach wissen, dass es dort jetzt etwas zu sehen gab. Nach etwa 50m durch absolute Dunkelheit waren wir am Wasserfall angekommen. Durch eine kleine Öffnung in der Decke fiel tosend das Wasser in die Tiefe. Viel sehenswerter war der weiße Marmor, der durch das Wasser rund und blank poliert war. Der Weg war zwar nicht einfach, aber die Tour lohnt sich, man ist etwa 4-5 Std. unterwegs.

Unser nächstes Ziel war der Eikedalsee. Am Ende kann man zu einem der höchsten, freien Wasserfälle von Norwegen laufen. Der See an sich liegt wunderschön zwischen Bergen mit einer Höhe von rund 1500 m, sehr beeindruckend. Auf diesem Campingplatz nehmen wir uns zum ersten Mal eine Hütte, weil wir keinen Platz mehr für unser Zelt fanden. Am nächsten morgen machten wir uns auf den Weg zum Wasserfall. Der Weg dorthin ist einfach und der Wasserfall schnell erreicht. Danach fuhren wir weiter nach Aandalsnes am Romsdalfjorden. Hier pausierten wir kurz und genossen das schöne Wetter bevor wir uns weiter auf den Weg zum Trollstigen machten. Die serpentinenreiche Straße schlängelt sich weitaus entspannter den Berg empor als es touristisch verkauft wird. Beeindruckend: hier ist wieder ein donnernder Wasserfall, der sich unter der Straße, hinab ins Tal, seinen Weg sucht.

Hier oben holte uns leider der schon angekündigte Regen ein.

Von dort aus fuhren wir wieder an die Küste nach Aalesund. Eigentlich wollten wir auf einer der vorgelagerten Inseln einen Platz zum campen finden. Das schlug aber total fehl. Erstens sind die zwei Campingplätze dort schon auf Jahre hinaus von Deutschen ausgebucht und zweitens muss man durch ein aufwendiges Tunnelsystem fahren für das man pro Durchfahrt 76 NOK (ca. 10 €!) bezahlen muss. Na ja, nach Fehlern lernt man. Auf dem ersten Campingplatz fanden wir den Preis im Verhältnis zur angebotenen Hütte unverschämt, deshalb riefen wir beim zweiten Campingplatz an. Dort bekamen wir zwar keine Hütte, aber immerhin eine kleine Ferienwohnung mitten im Zentrum von Aalesund vermittelt, zu einem sehr akzeptablem Preis. Wir ließen uns nicht lange bitten und nahmen die Wohnung.

Aalesund ist ein kleines, sehr hübsches Ständchen direkt am Meer. Uns hat es hier so gut gefallen, dass wir auf jeden Fall noch mal hinfahren wollen.

Auf direktem Weg fuhren wir Richtung Geirangerfjorden und nahmen die Fähre von Hellesylt nach Geiranger. Der Fjord ist deshalb so berühmt, weil hier noch große Kreuzfahrtschiffe reinfahren und dann sehr eindrucksvoll und imposant im engen Fjord liegen. Direkt hinter Geiranger windet sich eine enge Straße den Berg hoch, von vielen verschiedenen Aussichtspunkten hat man immer wieder einen tollen Blick in den Fjord.

Unser Weg führt uns weiter auf eine Hochebene auf der unsere Straße den höchsten Punkt auf 1038 m hatte. Hier war es recht kühl mit 12°C, aber immerhin hatten wir noch blauen Himmel und Sonne, das sollte sich leider etwas später wieder in Regen ändern.

Unsere weitere Fahrt führte uns durch abwechslungsreiche Landschaften. Immer wieder sehr beeindruckend und atemberaubende Weiten. Vorn karg und schroffen Felsen in recht kühlen Gegenden bis hin zu saftig grünen Wiesen, wo es durchaus auch seine knapp 30°C hatte.

Wir fuhren nur bis kurz vor die Gletscherzunge Nigardsbreen vom Gletscher Jostedalsbreen. Dort gab es einen kleinen gemütlichen Campingplatz direkt am Gletscherfluss auf dem wir einen schönen Stellplatz für unser Zelt fanden. Für den darauffolgenden Tag hatten wir eine Gletscherwanderung geplant. Am gleichen Abend noch fuhren wir in das Museum um uns Plätze für die Wanderung zu reservieren. Eine Blaueiswanderung die etwa 4,5 Std. dauern sollte.

Es war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis. Wir waren acht Personen in einer Seilschaft und wurden alle mit Handschuhen, Eispickel und Steigeisen ausgestattet. Nach einer kurzen Einführung ging es dann los. Insgesamt waren wir bestimmt drei Stunden auf dem Eis unterwegs. Immer wenn einer fotografieren wollte, mussten alle stehenbleiben und auch sonst musste man sich schwer konzentrieren, was der Vordermann machte und ob der Hintermann auch mitkommt.

Ich fand es ein beeindruckendes Erlebnis und auszuschließende so eine Tour auch sofort noch einmal machen.

Weil wir uns bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Stabkirche angeschaut hatten, machten wir einen kurzen Abstecher zur Stabkirche nach Urnes. Hier steht die älteste dieser Art von Kirchen Norwegens. Sehr klein, aber recht hübsch.

Danach erwartete uns eine wunderschöne Fjordfahrt. Sie wäre noch schöner geworden, wenn nicht vier volle Reisebusse mit auf die Fähre gekommen wären. Damit war das gesamte Schiff ziemlich voll und man hat so ziemlich keinen Sitzplatz gefunden, was bei einer knapp dreistündigen Schifffahrt nicht wirklich angenehm ist. Die Fahrt ging vom Sognefjorden über den Aurlandsfjorden in den Nærøyfjorden nach Gudvangen. Es ist deshalb eine sehr schöne Fahrt, da die Fjorde immer enger werden und die Berge zu den Seiten locker eine Höhe von 1000 m und mehr haben. Zum Schluss hat man das Gefühl, man könnte links und rechts an die Berge fassen. In Gudvangen haben wir uns mal wieder eine Hütte genommen, denn den von uns vermutete Regen kam an ordentliches Unwetter vom Himmel kurz nach dem wir in der Hütte waren.

Unsere nächste Station war die Fahrt mit der Flåm-bahn. Sie windet sich über eine sehr kurze Strecke ziemlich steil den Berg empor – und hat mal wieder als Attraktion einen reißenden Wasserfall. Davon haben die Norweger reichlich J . Die Fahrt war sehr schön und hat man hatte immer wieder einen tollen Blick ins Tal.

Nach der schönen Bahnfahrt machten wir uns gleich auf den Weg zu einem weiteren sehr schönen Campingplatz. Lofthus am Sørfjorden. Der Platz liegt in einem Obstgarten direkt über dem Fjord. Das Wetter war traumhaft und wir fanden noch ein richtig hübsches Plätzchen. Für den restlichen und den darauffolgenden Tag war faulenzen angesagt. Bei schönem Sommerwetter lagen wir im Halbschatten und haben gelesen und geschlafen und in die Ferne geschaut und nichts getan…

Das war mal richtig schön, vor allem bei der Sicht über den Fjord und auf den Gletscher.

Da am nächsten Tag nicht allzu schönes Wetter war, entschieden wir uns wieder auf den Weg zu machen. Nicht weit von unserem Campingplatz entfernt lag der Vøringfossen, der höchste, freie Wasserfall Norwegens – den steuerten wir an. Da wir ja nicht wie alle anderen Touristen uns den Wasserfall nur von oben ansehen wollten, liefen wir eine gute drei-viertel Stunde zum Wasserfall hin, damit wir uns das Ganze noch von unten betrachten konnte. Hier verbrachten wir viel Zeit mit fotografieren – überhaupt haben wir viele schöne Bilder gemacht. Einige davon könnt Ihr Euch schon in der Bildergalerie anschauen. –

Als letzte Station haben wir uns Bergen angeschaut. Hier haben wir vier Tage verbracht. Bergen ist eine hübsche Stadt mit vielen Dingen die man sich anschauen kann. Wir haben eine Führung auf der Tysken-Bryggen gemacht, das Hanseatische Museum angesehen und sind im Aquarium von Bergen gewesen. Wir sind mit der Fløyenbahn zum Berg Fløyen hochgefahren und haben von dort die schöne Aussicht über Bergen genossen. Dem Bergens Kunstmuseum haben wir auch noch einen Besuch abgestattet, da es eine hübsche aber kleine Fotoausstellung hat. An sich kann man von Bergen sagen, dass es ein hübsches Städtchen mit sehr viel Charme und Freundlichkeit ist. Bergen ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

 

Unsere grobe Route:

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