Letzte Nacht hat’s geregnet. So gemütlich das im Dach liegend auch ist, ein weiterer Strandtag wird es jedenfalls nicht heute. Christiane hatte in Frankfurt einen kleinen roten Wanderführer besorgt, der über die ganze Insel verteilt Tagestouren anbietet. So ein Geheimtipp des Ladens war das Büchlein nicht, denn so ziemlich jeder hier hat es in der Hand… Wie auch immer, die Tour Nr. 28 ist die unsere. 4:30 Wegstrecke + Pausen klingt gut machbar – auch mit An- und Abreise zum >1.600m liegenden Einstiegspunkt in die Tour.
An einer Skistation am kleinen Bach “Riviere d’Ese” ist der Startpunkt. Leider ist hier in aller Pracht zu besichtigen, wie ein mit Macht in die Hänge getriebenes Skigebiet im Sommer aussieht. Die Korsen haben sich die Hänge für den Winterspass einfach so in die Bergflanken geschoben wie sie es für gut befunden haben. Ergebnis sind jetzt im Sommer völlig zerstörte Geröllhänge, aus denen nur noch die vertrockneten Wurzelreste des ehemaligen Bewuchses herausschauen. Nicht schön.
Wir parken die Autos und machen uns auf den Weg. Das Wetter sieht “ok” aus. Leichte Sonne und Wolken über den Bergspitzen. Eigentlich geht der Weg als erstes über mehrere kleine Gipfel zum 1920m hoch gelegenen Col de Scaldasole. Da all’ dies aber aktuell in Wolken hängt, laufen wir die Strecke umgekehrt. Erst über die satt-grünen Wiesen mit Kühen, freilaufenden Schweinen und Ziegen, dann durch einen traumhaften Buchenwald aus alten, verdrehten Bäumen und anschliessend über einen kleinen Geröllhang zu einer leider nur im Hochsommer betriebenen Käserei. Gute 1.800m hoch sind wir und so langsam sollte der Wendepunkt der Strecke in Sicht kommen. Versprochen war eine Art Hochmoor, eingebettet in die umrandenden Berspitzen.
Die Bilder im Wanderführer waren nicht geschönt.Vor uns breitet sich ein Tal zwischen den kargen Felshängen aus, das fast schon kitschig grün mit dickem Gras bewachsen ist, unterbrochen von kleinen Wasserläufen, die auf gleicher Höhe mit der Grasnarbe durch das Tal fliessen. Hier möchte man am liebsten sofort ein Zelt aufstellen und eine Nacht bleiben!
Unsere Euphorie wird etwas gedämpft von den dicken weissen Wolkenmassen, die sich mit gut sichtbarer Geschwindigkeit über die Bergflanke zu unserer Linken schieben. Ein paar Minuten später ist von der grünen Wiese nicht mehr viel übrig, wir stehen im dicken Nebel irgendwo auf der Wiese. Der Weg? Müsste da links sein, irgendwo am Hang. Schon oft haben wir über uns selbst gelästert, weil das GPS übertrieben für die kleinen Ausflüge ist, aber in einer solchen Situation ist es wirklich praktisch. Quer den Hang hoch und immer auf die gestrichelte Linie des Wanderwegs zu. Gute 50 Höhenmeter oberhab der Wiese stehen wir wieder auf dem Trampelpfad und machen uns an den Aufstieg zum Höhenzug, über den es zurück zum Auto geht. Die gute Nachricht: der Nebel wird weniger. Die schlechte: …weil es kälter wird und anfängt zu regnen. Auf dem “Col de Scaldasole” angekommen müssen wir feststellen, dass die Wetterseite auf der anderen Seite des Berges liegt. Es bläst ein ordentlicher Wind und der Regen kommt waagerecht. Immerhin wird so nur eine Seite nass. Was theoretisch ein traumhafter Panoramaweg sein soll, wird eine lustige 1,5 Stunden Tour im strömenden Regen und Wind. Bei den Wassermengen gibt auch die Funktionskleidung irgendwann auf. Wir kommen komplett durchnässt an den Autos an und freuen uns über die Wärme der Standheizung im Auto.
Es regnet noch immer, ist 10° kalt und unfreundlich. Das wird also nichts mit einer Nacht auf dem Berg. Stattdessen geht es wieder runter an’s Meer – Ajaccio ist das Ziel. Ein luxuriöser 4* Campingplatz kreuzt unseren Weg und wir machen hier Rast für die Nacht.







