Mal wieder frueh aufstehen, aber wir haben uns einen Trick ausgedacht. Abfahrt fuer die Bustour ist am Cafe des Ortes und dort gibt’s auch Fruehstueck. Abfahrt ist 0830h und ‘ne halbe Stunde fuer Kaffee und Eier in der Sonne reicht. Die Fruehstueckskarte haelt komische Kombinationen bereit und wir bestellen einfach, was wir wirklich haben wollen. 2x Spiegelei + Bacon fuer mich, Blaubeer-Pancakes mit gekochten Aepfeln fuer Gatzi. Dazu ein Kaennchen Kaffe, so laesst sich die Morgensonne auf der Veranda geniessen.
Nach kurzer Zeit trudeln die unterschiedlichen Busfahrer ein; wir lernen unseren schon einmal kennen. Bobby duefte die 60 schon deutlich ueberschritten haben und faehrt seit 13 Jahren die Ausflugsbusse. Wir sind heute morgen die ersten Fahrgaeste und so koennen wir uns die Plaetze aussuchen. Erste Bank scheint eine gute Wahl, aber kurz vor Eintreffen am ersten Hotel kommt noch der Tipp: nehmt euch die beiden Einzelsitze neben mir, das sind die besten. Jetzt sitzen den Tag ueber alle Fahrgaeste brav in Doppelbaenken hintereinander, nur wir beide haben den Logenplatz vorne beim Fahrer. Prima, so ein Fruehstueck an der Basisstation. Kurz vor der Abfahrt werden wir noch Zeuge, wie weit die Maori-Wurzeln der Einheimischen in den Alltag reichen. Nachdem alle eingesammelt sind begruesst Bobby alle und eroeffnet uns dann, das er noch kurz fuer uns alle um eine gute Fahrt bittet und seine lange verstorbene Mutter ueber uns wachen moege. Am Steuer sitzend singt er fuer eine Weile ein maorisches Lied, kommentiert dies danach zu uns gewandt mit einem froehlichen “nun koennen wir los” und startet den Motor.
Unsere Fahrt geht ueber die richtige Strasse gen Norden und wir stellen fest, dass dies wohl “Massentourismus” sein muss. 20 Leute in einem Bus, die bei jedem Stopp den Laden/das Museum/den Aussichtspunkt stuermen und in 15-30min wieder zurueck sein sollen. Leider durften wir mit unserem Mietwagen nicht ganz nach “oben”, deshalb muessen wir jetzt das beste aus der Gruppenfahrt machen.
Die letzten 100km der Nordinsel sind im Prinzip eine riesige Sandbank, die mit Wald ueberwachsen ist. Auf dem Weg nach Norden sehen wir einige kleine Ansiedlungen, ansonsten wird hier Forstwirtschaft betrieben, um die Holzfabrik am suedlichen Ende der Landzunge zu versorgen. Diese Fabrik – Japaner haben sie vor einigen Jahren den Kiwis abgekauft – ernaehrt offensichtlich den ueberwiegenden Teil der Bevoelkerung dieses noerdlichsten Endes des Landes. Vor der Forstwirtschaft wurde hier hauptaechlich Bernstein aus dem Boden ausgegraben, denn an Stelle der eher langweiligen Fichten standen hier vor rd. 50.000 Jahren einmal Kauri-Baeume – echte Baumriesen, wie wir sie uns noch an der Westkueste lebend ansehen werden.
Der Hoehepunkt der Fahrt ist das Erreichen von Cap Reinga, das um 3km *nicht* der noerdlichste Punkt Neuseelands ist, aber der noerdlichste zugaengliche. Entsprechend stapeln sich hier die Bustouren und wir laufen eher pflichtbewusst denn begeistert zum Leuchtturm und zurueck. Faszinierend ist neben den Sozialstudien an Reisegruppen unterschiedlichster Nationalitaet das Aufeinandertreffen zweier grosser Meere. Nordwaerts vom Land weg ist tatsaechlich eine Linie merkwuerdiger Wellenformationen zu sehen, an denen die Stroemungen der Tasmanischen See (von Westen kommend) auf die Wellen des Pazifik (von Osten her) treffen. Wie an so vielen touristischen Stellen steht auch hier ein Pfahl mit den Distanzangeben zu unterschiedlichen Orten der Erde. Anders als sonst ist: Wir (bzw London) sind von allen am weitesten weg! Ueber 18.000km von zu Hause!
Die Heimreise ist so getimed, dass wir statt der Strasse den 90 Mile Beach in seiner vollen Laenge befahren koennen. Nach einem kurzen Zwischenstop an den riesigen Sandduenen hier oben geht es mit kuerzen Unterbrechungen gut 1h suedwaerts – alles auf dem Strand und mit gut 80km/h.
Zuhause angekommen wollen wir eigentlich Tagebuch schreiben, da klopft es an unserer Tuer. Unsere Gastgeber laden zu einem Glaeschen Wein “vor dem Essen” auf ihre Terrasse ein. Die herzliche Einladung meundet in einem kompletten Abend bei ein paar mehr Glaesern, denn die beiden sind sichtlich erfreut ueber fremde Gespraechspartner und wir quatschen uns fuer fast 4h fest. Als wir dann spaeter mit knurrendem Magen zuruecklaufen, stellen wir einmal mehr fest, wie auffaellig offen, freundlich und interessiert die Neuseelaender in der Mehrzahl zu sein scheinen. Es gibt noch kurz fuer jeden 3 kleine Maiskolben, die wir auf der Bustour in einem Maori-Laden erstanden haben, in dem wir eigentlich Eiscreme kaufen sollten. Anschliessend kurze Planung fuer die letzten beiden Tage und ab ins Bett.
Ein paar Bilder:
Und die Route:




